Gespräch mit Anna über die Renovierung

Die Renovierungsarbeiten an „Lucy“ (Teil 1 hier und Teil 2 da) haben bei mir ein paar Fragen aufgeworfen. Zum einen natürlich die Aussage von Kurt, dass mein TD4 im schlechteren Zustand sei als sein TD5. Aber auch grundsätzlicher Natur, wie zum Beispiel, was wir Fahrer tun können, damit unsere Autos möglichst lange leben. Ich habe Anna und Lukas zum Gespräch gebeten.
Zum Gespräch mit Lukas geht es hier entlang.

Der eine Tropfen Öl unter dem Auto, der das Fass zum Überlaufen brachte. Das Verteilergetriebe leckte und daher bat ich Anna, dieses abzudichten. Die Frage war nur: Was kostet mich das alles? Und was ist zu tun?

Olaf: Du hast mir anfangs gesagt, dass wir idealerweise alles einmal anschauen und revidieren. Auch das Innenleben des Verteilergetriebes und die Kupplung. Warum ist das sinnvoll?

Anna: Wenn schon einmal das Haupt- und das Verteilergetriebe unten ist, dann lohnt sich der Blick ins Detail. Und die Demontage des Getriebeblocks ist eine ideale Vorbereitung, da der Defender hinterher bei Luky noch eine Restbehandlung bekommt. Um das Verteilergetriebe abzudichten, muss dieses teilweise auseinander gebaut werden, da reicht eine neue Dichtung oder etwas Dichtmasse nicht. Nun gibt es eine kostengünstige Variante, in welcher die Zwischenwelle des Verteilergetriebes ausgebaut wird, die beiden abdichtenden O-Ringe getauscht werden und die Zwischenwelle wieder eingebaut wird. Doch leider ist die Zwischenwelle im Verteilergetriebe nur einseitig befestigt, und auf der nicht befestigten Seite schlägt der Gehäusesitz durch die Vibrationen der Welle aus, was dazu führt, dass der O-Ring nicht mehr dichtet. Die Folge: Tropfen Öl am Boden. 

Diese wiederkehrende kostengünstige Abdichtung des Verteilergetriebes kann durch die teure Variante eliminiert werden. Dies erreicht man durch das Anbringen einer Einpassbuchse am ausgeschlagenen Gehäusesitz. Für dieses Verteilergetriebe Upgrade muss dieses komplett zerlegt werden, ein grösseres Loch in den Gehäusesitz gefräst, die Einpassbuchse eingebaut und alles sauber ausdistanziert werden. Da alles schon auseinander gebaut ist, lohnt sich auch die Kontrolle/Austausch der Lager und weiterer Teile wie das Mitteldifferenzial. Land Rover wollte wohl im letzten Baujahr des Defenders Kosten sparen und man hat eine schwächere Bauweise des Mitteldifferenzial verbaut. Die Ingenieure dachten wohl, dass die 2015er Modelle nicht mehr artgerecht im Gelände bewegt werden.

Anna Heinze

Die wichtigste Sache ist, dass die Autofahrer selber auf die Kleinigkeiten und das berühmte «Klonk» achten.

Land Rover markieren häufiger ihr Revier, so sieht man zumindest, dass noch Öl drin ist. Aber ist es wirklich nötig alles runternehmen und tauschen? 

Im Grunde ja – wenn schon, denn schon. Aber Achtung, der TD4 hat noch eine zweite Zwischenwelle. Die, wie oben erwähnte Zwischenwelle im Verteilergetriebe und eine Zwischenwelle zwischen Hauptgetriebe und Verteilergetriebe, die Adaption vom Ford Hauptgetriebe auf das Land Rover Verteilergetriebe.

Die Zwischenwelle im Verteilergetriebe ist der häufigste Übeltäter für Öl unter dem Getriebeblock, da ist auch der TD5 davon nicht befreit. Die Welle zwischen Hauptgetriebe und Verteilergetriebe verliert kein Öl, sondern im Extremfall ist der Antrieb weg. Der Übergang dieser Welle vom Verteilergetriebe ins Hauptgetriebe ist quasi gesteckt und nicht geschmiert an diesem Punkt. Somit nützen sich die Zähne mit der Zeit ab, die Verzahnung wird spitz und dreht leer. Die Folge: keine Kraftübertrag mehr. 

Aber auch hier gibt es ein Upgrade im Zubehör. Die zweiteilige Zwischenwelle zwischen Hauptgetriebe und Verteilergetriebe wird durch eine einteilige Welle ersetzt – der Schwachpunkt ist so eliminiert. Die Abdichtung mit dem Upgrade beider Zwischenwelle dauert einen Tag, die Demontage und Montage kommt dann noch dazu.

Bei mir habt Ihr die Kupplung auch gleich mit kontrolliert. Warum?

Die Kupplung bei deinem Auto war in einem gebrauchten aber noch guten Zustand. Die Lebensdauer einer TD4 Kupplung hängt vom Einsatz und dem Fahrer ab und liegt zwischen 80‘000 und 200‘000km.

Waren diese Arbeiten wirklich notwendig?

Für den Austausch der Kupplung muss immer das Haupt- und Verteilergetriebe demontiert werden. Da der Getriebeblock nun schon mal unter war und man die verbleibende Lebensdauer der Kupplung nicht eindeutig abschätzen kann, lohnt sich der Austausch.  

Auslöser für die Getrieberevision ist oft der ausgeschlagene Gehäusesitz der Verteilergetriebe Zwischenwelle, detektierbar durch Öl unter dem Getriebe oder am Gehäuse. Schäden am Ford/Land Rover Adapter oder dem Mitteldifferenzial sieht man erst beim Auseinanderbauen oder wenn sich das Auto nicht mehr bewegt.

Ist denn der TD4 anfälliger als der TD5?

Die Befestigung der Zwischenwelle im Verteilergetriebe ist auch beim TD5 nur einseitig. Dies ist schon immer so bei den Defender und seinen Vorgängern. Aber ganz untätig waren die Ingenieure bei Land Rover nicht, seit der Serie wurden die Lager und andere Teile modifiziert und somit robuster gestaltet. Diese Schwachstelle ist nun bei dir mit der einteiligen Welle behoben. Ein weiteres schwächelndes Teil beim TD4 ist der Kupplungszylinder mit Zentralausrücker, die werden immer mal wieder undicht. 

Wie sollten wir Land Rover Fahrer auf unsere Autos schauen und periodisch kontrollieren?

Die wichtigste Sache ist, dass die Autofahrer selber auf die Kleinigkeiten und das berühmte «Klonk» achten. Hat der Antriebsstrang zu viel Spiel, verändern sich Geräusche oder das Kupplungsverhalten? Dann ist der Zeitpunkt gekommen, um mit der Werkstatt Kontakt aufzunehmen.

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