New Defender – Tag 4

Ich musste Abschied nehmen und den New Defender wieder zurück nach Safenwil bringen. Als ich dann wieder in meinem Defender TD4 sass, hatte ich mein Fazit der letzten vier Tage zusammen. (Beiträge siehe hier, hier und hier.)

Nach vier Tagen habe ich mich eigentlich schon an den Neuen in der Land Rover Familie gewöhnt. Doch auch, wenn ich den Komfort vermissen werde, so ist mein Defender mein Auto. Als ich also in den «klassischen» Landy stieg, fiel soviel auf, das eigentlich heute an modernen Autos Standard ist und beim Landy fehlt. Dabei ist die «Buckelhaube» schon einer der neuesten Landys. Es war so, als ob ich in ein Auto stieg, dass in den 1990er Jahren stehen geblieben ist.

30 Jahre

Und das ist eigentlich der Hauptpunkt meiner Kritik: Land Rover hat im Gegensatz zu anderen Herstellern in den letzten Lebensjahren des Defenders keine wesentlichen Modernisierungen gemacht. Ok, der Motor ist kein Land Rover Motor mehr, es gibt eine Klimaanlage, die zumindest heiss und kalt machen kann und auch sonst ist es etwas bequemer geworden, wenn ich so einen TD5 mit meinem TD4 vergleiche. Aber Designanpassungen? Fehlanzeige. Grössere technische Sprünge, nö. Daher fällt es mir auch schwer, den New Defender als Defender zu empfinden. Der Sprung ist schon eher gewaltig. Sowohl Innen als auch Aussen. 

Er ist ein echter Offroader. Das hat er in meinem Light-Versuch gezeigt. Die Fahrmodi und die gesamte Auslegung des Fahrzeugs zeigen deutlich, dass Land Rover eine Unmenge an Offroad-Expertise hat und diese in den neuen Defender gesteckt hat. Aber einen Vergleich mit dem klassischen Defender kann ich nicht gelten lassen. Der Vergleich ist einfach nicht statthaft. Der alte wird nicht mehr strassentauglich sein, wenn die Restriktionen so weiter verschärft werden. Der Neue ist ein Auto der und für die Zukunft.

Ist es ein Defender?

TD4 und Defender 2020 sind wie Äpfel und Birnen. Der eine anachronistisch in allem. Aber auch beim Neuen gibt es Wunder, so erklärtel mir das Navi plötzlich von jetzt auf gleich den Weg laut und deutlich, am Vortag nicht. Oder plötzlich funktioniert der Tempomat ganz easy, vorher irgendwie nicht so. Typisch Defender.

Ich habe mich da auch gefragt, wofür Defender eigentlich steht. Above und Beyond ist da noch releativ unkonkret. Konkreter wird es, wenn ich ihn mit dem Erlebten zusammenbringe. Mit den Touren und den Momenten, wo er einfach das Fahrzeug war, das tolle Momente ermöglichte. Seien es die Treffen mit Landy-Fans rund um den Globus oder der Moment, als der Po meiner Tochter die erste nicht werksseitig verbaute Beule in den Kotflügel presste. Nämlich als der Händler sie bei der Übergabe für ein Foto auf den Kotflügel setzte – das Kind war da sechs Jahre als. Das sind bleibende Erinnerungen.

Ich bin überzeugt, dass der New Defender das gleiche schaffen kann. Er wird Momente ermöglichen, die in Erinnerung bleiben. Er wird dabei sein, wenn Safaris – dann mit Steuergeräten als Ersatzteile – oder wenn andere Mammutaufgaben zu bewältigen sind. Er wird das schaffen, spielend. Er wird vielleicht auch mal für den Viehtransport herhalten müssen, nur vielleicht nicht gerade von Beginn an. Von daher ist es ein Defender. Ja.

Er passt gut in die Reihe, finde ich.

Würde ich den New Defender kaufen?

Stelle ich die Frage anders herum: Hättest Du das Geld, würdest Du ihn kaufen? Ja, ich denke ja. Er ist ein Landy aus vielen Gesichtspunkten.

  1. Er hat mich in seinen Bann gezogen. Mit seinem Äusseren, den Momenten, wenn er mich überraschte. Er hat Passanten und Interessierte nicht kalt gelassen. Er wurde begutachtet, angelächelt, ausgelacht und gelobt. So wie mein Defender oder eine Serie behandelt würden.
  2. Er ist ein typischer Defender. Irgendwo hat etwas geklappert – keine Ahnung was. Aber es klang vertraut. Einige Spaltmasse wären bei einem BMW Grund für die Schrottpresse gewesen. Und die vielen Ecken und Winkel öffneten Tür und Tor für den Dreck aus der Kiesgrube, die eine Waschstrasse nicht schafft. Ein Defender gehört einfach nicht in die Waschstrasse. Da steht der Neue dem Alten in nichts nach.
  3. Er ist chic, aber kein Modepüppchen. SUVs sehen neben dem New Defender immer noch aus, wie sauber gestriegelte Modepüppchen. So irgendwie Möchtegern Offroader sind es, der Neue nicht. Für mich liegt das an den Massen, den vielen Elementen und Details, die den klassischen Landys zu eigen waren und die sich auch beim Neuen wiederfinden.
  4. Er ist ein Statement. Ich bin der Ansicht, dass hier die Designer viel geleistet haben. Sie haben Mut bewiesen und auf Vieles verzichtet, was andere moderne Autos aufweisen, auch im Vergleich zum Range Rover. Gleichzeitig haben sie viele Dinge übernommen, die an den alten Landys schön und klassisch war. Und sie haben einige Sachen besser gemacht, die jeden von uns mehr oder weniger genervt haben. Nehmen wir nur mal die Cubbybox, die jetzt endlich auf der richtigen Armhöhe ist. Oder den leicht entfernbaren Teppich, der einen schmutzunempfindlichen Kunststoff bedeckt, der den Fussraum nahezu nahtlos abdeckt. 

Ich würde ihn aber nicht kaufen, da ich den Preis für sehr ambitioniert halte. Auch ist mir noch nicht klar, was der After Market alles regeln wird und ich den Wagen so modifizieren kann, wie ich will. Allerdings, ich würde ihn kaufen und ihn genauso vom ersten Tag an über Korsikas Pisten jagen und durch den Schotter einer Kiesgrube dübeln, wie ich es mit meinem Landy gemacht habe. Ich würde wetten, dass ich bald auch auf dem «Dachgarten» neben dem Dachzelt sitzend Kaffee kochen und den Tag geniessen würde. 

Geben wir ihm also Zeit, sich seine Sporen zu verdienen. Ich finde ihn einen würdigen Nachfolger des klassischen Defenders und ich finde auch, dass er den Namen zu recht trägt.

  • Eisdielen tauglich
  • Die Front des New Defender

P.S. Mein Dank gilt Land Rover Schweiz (Karin und Patric) für die Zurverfügungstellung für diese lange Zeit. Das ist nicht selbstverständlich. Ich danke auch all den Clubfreunden vom LRoS und dem LRC-Edelweiss, die mir ihre Meinungen gesagt haben. Nicht zuletzt meiner Familie, die ertragen hat, dass ich vier Tage lang mehr mit und über den New Defender gesprochen haben, als mit ihnen.

P.P.S: Ich habe für diese Artikelserie keinerlei Vorgaben erhalten, keine Entschädigungen oder ähnliche Geschenke, die diese Beiträge zur Werbung machen würden. Dies ist meine eigene Meinung.

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